• Patrick

Radfahren in Kroatien




Pause an der Jadranska Magistrala

Die Ausführungen beziehen sich auf die komplette Küstenregion sowie viele Abschnitte, die von dort gen Nordosten in die Berge führen.

Das Fahrradfahren in Kroatien war wider erwartend entmutigend und enttäuschend.

Noch nie hatte ich weniger Lust mich auf´s Rad zu schwingen und die Gegend zu erkunden.

Nicht das es nicht genügend Schönes zu entdecken gäbe, aber das Negative überwog und so war das Rad nur noch reines Mittel zum Zweck der Fortbewegung.

Wir folgten ja dem Euro Velo 8 der die Jadranska Magistrala, die als schönste Küstenstraße Europas gilt, als Anhaltspunkt nimmt.

Der Euro Velo 8 von Cadiz bis Athen bzw. Zypern geplant, ist natürlich an keinem Ort zu erkennen, geschweige denn ausgeschildert.

Also wieder nur auf der Karte … und hier wieder völlig sinnfrei geplant … Ein Radweg ergibt ja eigentlich nur Sinn, wenn es dort auch entsprechende Wege gibt oder aber entsprechend wenig Autoverkehr. Lies hierzu auch den Blog Artikel Euro Velo 9 !



Die Jadranska Magistrala

Die Jadranska ist, durch den jugoslawischen Fels gesprengt, ein beeindruckendes Werk aus den 60/70er Jahren.

Teilweise bekannt als Europastraße 65 oder D8. Aber ich hatte sie noch nie so frequentiert erlebt. Wie übrigens alle Straßen. Außer im äußersten Süden um Molat bis zur Grenze Montenegros.

Das Fahrverhalten der Autofahrer war wie gewohnt rücksichtslos.

Nun kam aber noch geballte Aggressivität hinzu und das nicht nur von Einheimischen.

Nein der Urlauber passte sich gerne an und benahm sich nach Lust und Laune als kenne er keine Verkehrsregeln oder gar Rücksicht. Mehrmals wurde ich von LKWs und Bussen touchiert, sodass ich haarsträubend ins Straucheln geriet.

Der Mindestabstand ist ja schon in Deutschland nur eine Mär...

Vom nervigen Gehupe beim Überholen ganz zu schweigen. Der tosende Lärm und die extremen Abgase haben ihr übriges getan. Und das nicht nur auf der Jadranska, sondern auf fast allen Nebenstraßen an der Küste sowie auf vielen Gebirgsstraßen. Es war zum Verzweifeln. Und das über 1000 km.

Für mein Empfinden empfiehlt sich eine Radreise in Kroatien nur jenseits der Sommermonate.

Jetzt mag jeder denken: Klar. Ist es aber nicht, denn wir haben es auch anders erlebt.

Wie lange das Kroatien noch aushalten kann, bevor es kollabiert? Ich weiß es nicht!

Generell sieht man in Kroatien sehr, sehr wenig Fahrradfahrer!

Vielleicht eine Handvoll in den wenigen Wochen. Radreisende trafen wir auch nicht mehr. Dementsprechend wenig Fahrradläden gibt es. Hier sollte man sich auf jeden Fall gut mit Ersatzteilen bestücken, gerade wenn es etwas für kroatische Verhältnisse außergewöhnlich wird.

Wir haben Dutzende Läden besucht. Nur einer in Zadar hatte einen Brookssattel da, den wir auch erstanden haben, denn Ranes Sattel brach entzwei.


Zerbrochener Brookssattel. Brooks verbaute hier Aluguss!?!

Rohloff kennt niemand. Magura auch nicht. Die Auswahl war immer sehr spärlich!

Also als Radfahrer wirst Du hier nur mitleidig belächelt und als Radreisender sowieso!

Die Wasserversorgung ist in Ordnung, wenn man kein Problem damit hat, Plastikflaschen zu kaufen. MiniMarkets überall und Du bekommst Getränke an jeder Tankstelle, die es ausreichend gibt. Auf den meisten Campingplätzen gibt es Trinkwasser.



Verlass Dicht nicht allein auf Naviki oder Komoot, denn dort in der Karte eingezeichnete befahrbare Wege enden oftmals in nicht zu befahrenden felsigen Pfaden. Also ich würde hier nicht vorausplanen. Es sei denn man wählt ausschließlich die Hauptverkehrsadern.



Der Transport auf Schiffen zwischen den Inseln hat eigentlich immer funktioniert. Auch, wenn man das Gegenteil in so manchen Beiträgen lesen kann. Kleinere Boote berechnen dann meist das Fahrrad als Person, was aber nicht besonders schlimm ist, denn die Preise für den Schiffsverkehr sind noch! moderat.

Übernachtungsmöglichkeiten gibt reichlich, wenn man das nötige Kleingeld hat.

Campingplätze finden sich spätestens alle 70 km an der Küste, aber zur Hauptsaison teurer als sonst wo! Im Schnitt haben wir über 30,- € für zwei Personen mit Zelt gezahlt! Ohne entsprechende Gegenleistung!

Wildcampingspots waren echt schwer zu entdecken, wenn man wert auf Ungestörtheit und Ambiente legt! Verlassene Häuser gibt es ohne Ende. Meist droht Einsturzgefahr und sie sind sehr verdreckt und vielleicht auch noch ein Rückzugsort für streunende Hunde.

In Kroatien haben wir wenig Streuner gesehen. Es gibt sie, aber im Vergleich zu Griechenland kein Thema, wo man wirklich jeden Tag auf sie trifft.

Die Temperaturen sind in den Sommermonaten bis zu 40° C.

Wir empfanden viele andere Dinge wie Autoverkehr, Suche nach Wildcampingspots, die Anzahl der Touristen und die allgemeine Preisentwicklung als nervtötender, wie die hohen Temperaturen und Sonneneinstrahlung. Ausreichend großer Hut, meiner Meinung nach Funktionskleidung und bis zu 4 L Flüssigkeit sind ein Muss!


Schattenpause auf Schotterpiste


Ist Kroatien ein Land für den Radreisenden?

Generell gilt auch hier: Ja, wenn man verschiedene Dinge ausblenden kann!, welche ich oben beschrieben habe.

Wenn man täglich mehrere hundert Höhenmeter nicht scheut, denn es geht auf und ab. Das Land ist sehr facettenreich. Nur leider verliert es immer mehr an Ursprünglichkeit.

Radtourismus wie ich ihn verstehe, wäre für jedes Land ein Segen.

Klar, es ist immer noch Tourismus, aber wenn jeder Radreisende mehr, ein Autofahrer weniger bedeuten würde, dann stelle ich mir gern tausende Radreisende vor, denen ich unterwegs begegne und mit denen ich den Campingplatz oder die Straße teile.

Ruhig, ohne Hektik und Abgase.

Ohne Lärm und mit gegenseitigem Respekt im Einklang mit dieser Erde!

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