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1. Der Plan keinen zu haben 2. Unser Zelt 3. Kochen unterwegs


Saftiges Grün einer Obstgartenwiese am Rhein. Die Bäume stehen in voller Blüte.
Obstgartenwiese am Rhein

Der Plan keinen zu haben …

Wie oft habe ich jetzt schon die Frage gehört: „Wohin geht die Reise?“ Und wie immer antworte ich: „Das weiß ich nicht genau. Immer der Nase nach. Gen Süden, da wo es wärmer ist.“ Und oftmals sind die Menschen dann enttäuscht, weil sie keine spektakulären oder waghalsigen Pläne offeriert bekommen. Wenn ich aber dann erzähle, dass wir keinem Plan folgen wollen, damit wir ihm nicht erliegen oder gar hörig werden, dann kommt wieder Begeisterung ins Gespräch.

Die meisten Menschen haben ihr Leben völlig durchgeplant. Von der Ausbildung über die Karriere bis hin zu Ihrem Lebensabend. Was passiert, wenn alles ganz anders kommt? Weil wir krank werden oder einen schweren Schicksalsschlag erleiden? Muss ich denn immer dem Weg folgen, den mir die Allgemeinheit vorgibt? Ich denke nicht! Wir sind freie Individuen, die jeden Weg gehen können, der sich uns offenbart. Natürlich muss man den Absprung wagen und die Wohlfühl- bzw. Sicherheitszone verlassen. Das ist der Preis der Freiheit. Sie ist hart umkämpft.



Frühstück vor einer Schutzhütte am Rhein. Geschützt im Schatten der Hütte frühstücken Patrick und Rane an einer Bierzeltgarnitur. Der Kaffe kocht und der Dampf weht um die, die vor Freude, hochgereckten Arme.
Frühstück vor einer Schutzhütte am Rhein

Wir kämpfen, nicht in alte Schemata zu verfallen. Das beginnt bei den Uhrzeiten, wie bei unseren Gewohnheiten. Wir reduzieren unser Radreiseleben auf unsere Bedürfnisse und setzen Prioritäten bei unseren Vorlieben. Wir lassen uns treiben wie ein Stück Holz im Fluss. Die Grundrichtung ist der Süden, weil ich das Mittelmeer liebe und das wärmere Wetter bevorzuge. Wenn es da nicht mehr weiter geht, werden wir uns östlich orientieren.

Der Plan keinen Plan zu haben, ist der beste Plan, den wir jemals hatten.

Wir haben zwar das ganze Ausmaß dieser Entscheidung noch nicht ganz realisiert, aber je länger wir unterwegs sind, stellen sich die Vorteile klar heraus. Noch ertappe ich mich dabei, einem Urlaubsgefühl mit absehbarem Ende zu erliegen. Doch langsam wird mir klar, das gibt es ja gar nicht. Noch ist kein wirkliches Ende absehbar. Wir haben Zeit. Wir können uns Zeit lassen. Sei es beim Aufstehen in der Früh, beim Speisen, beim Radeln oder beim Nichtstun. Ich liebe nichts zu tun oder sagen wir, ich widme mich in dieser Zeit voll und ganz der mich umgebenen Natur. Sie ist fantastisch und es gibt immer etwas zu entdecken oder man genießt einfach nur ihre Schönheit. Wir müssen uns nicht abhetzen, um an irgendeinem Ort anzukommen. Auf die Uhr schaue ich nur noch höchst selten. Auch die Wochentage werden eigentlich nur noch beim bevorstehenden Einkauf interessant.



Farbenprächtiges Bild eines Sees. Die Natur spiegelt sich im Wasser.
Tamburinsee am Rhein in Hessen

Sich treiben zu lassen hat den Vorteil, dass keine Hektik aufkommt. Wenn uns ein Ort gefällt, bleiben wir dort. Dieser Langsamkeit folgt ein gewisses Gespür für das „echte Land“. Wir nehmen die Empfehlungen der Menschen, die wir auf unserem Weg treffen auf und folgen ihren Erfahrungen. Sei es beim Schlafplatz oder sonstigen kulturellen Aspekten. Wenn man nicht schon vor dem Reisen alles recherchiert hat, dann entdeckt man das Land auf seine ganz eigene Weise. Man verpasst dabei hier und da die kulturellen, rein touristischen Highlights, gewinnt aber dafür echte, emotionale Momente, die in keinem Reiseführer stehen. Meist sind dies Momente der Gastfreundschaft, Herzlichkeit, der Not und Hilfe. Diese Erfahrungen sind grandios und stehen in keinem Reiseführer.



Zelt und Reiseräder voll bepackt stehen auf einer grünen Wiese in der Natur.
Campspot im Grünen ...

Ein anderer Aspekt der Planlosigkeit ist ein Hauch von Freiheit. Ohne Zwang sich durchs Land zu bewegen und nicht irgendwo an einem bestimmten Ort anzukommen, vermittelt ein Freiheitsgefühl. Du verspürst keinen Druck. Spontanität, Flexibilität und Improvisation sind die Wegbereiter der Freiheit. Das alles gelingt natürlich nur mit einem gewissen finanziellen Polster. Dieses Polster bestimmt Dein Tagesbudget, das Du schon nach einiger Zeit versuchst einzuhalten. Denn jede Mehrausgabe verkürzt Deine hinzugewonnene Freiheit. Die Einschränkungen dadurch wirst Du sehr bald einfach hinnehmen, denn der Gewinn ist unbezahlbar.



Regenwolken hängen über endloser Natur mit saftig grünen Wiesen.
Endlose Natur

Noch etwas stellt sich ein, dass eher schleichend und unauffällig passiert. Ein guter Nebeneffekt der Planlosigkeit ist Ruhe und Gelassenheit. Wenn Du keinem bestimmten Plan hinterher eilst, bist Du auch viel entspannter und kannst die Dinge gelassen angehen. Stress, wie Du ihn kanntest, wir von nun an ein Fremdwort sein.



Im Vordergrund das Reiserad von Patrick. Ich stehe dahinter und genieße die Wiesen und Wälder und versuche diesen Eindruck zu bewahren.
Natur festhalten und bewahren

Wir halten fest: Die Planlosigkeit fördert Dein Improvisationstalent. Ganz nebenbei gewinnst Du mehr Zeit und kommst Dir und den Menschen und dem Land wesentlich näher. Auch Ruhe und Gelassenheit ist von nun an Dein Begleiter. Aber die größte Errungenschaft ist ein Stück Freiheit. Auch wenn sie nur von begrenzter Dauer ist, weißt Du nun, wie Du dieses Stück erreichst.

Unser Zelt



Grünes Kuppeltest Expedition Orion III extrem im Hintergrund auf einer Wiese. Davor mein Vorderrad zu einem Viertel zu erkennen.
Unser Zelt: Exped Orion III extrem

Kurz vor der Abreise haben wir dann doch noch endlich unser lang ersehntes Zelt erhalten. Wir besaßen vorher ein Vaude Chapell 3-Personenzelt mit einem großen Vorbau. Dieser hatte den Vorteil auch mal bei schlechtem Wetter darin sitzen zu können und beispielsweise zu kochen. Nur ist es leider für längere Touren zu groß und auffällig. Bericht unter Ausrüstung.

Jetzt sind wir stolze Besitzer eines Exped OrionIII extrem.



Unser Zelt auf einer Wiese mit unseren Reiserädern davor.
Zelt im Größenvergleich

Wieder ein 3-Personenzelt, aber ohne größere Apside. Es ist klein genug, um auch mal an ungewöhlichen Orten sein Nachtlager zu bereiten. Damit man nicht gleich entdeckt wird, ist es auch wieder in Grün gehalten. Als 3-Personenzelt ist es aber groß genug, um zwei Personen ausreichend Platz zu bieten. Das Kuppelzelt wird mit drei Stangen aufgestellt und steht so bereits relativ sicher. Es besitzt zwei Ein- bzw. Ausgängen, die mit jeweils kleinen aber durchaus ausreichenden Apsiden ausgestattet sind. In einem dieser Vorräume finden ohne Probleme mindestens zwei unsere Fahrradtaschen Platz sowie Schuhe und andere Ausrüstungsgegenstände. Dann bleibt immer noch genug Freiheit, um die Apside zu verschließen und erst dann das Innenzelt zu öffnen. Das ist natürlich nur meine eigene Erfahrung und mag für Menschen über 1,85 m schwierig werden. Der zusätzlich erworbene Boden (Footprint) bietet guten Schutz, ist leicht und um ca.10 cm kleiner als die Grundfläche des Zeltes, damit herablaufendes Regenwasser nicht auf diesem unter das Zelt fließt.

Der Innraum gestaltet sich großzügig durch zwei senkrechte Seiten an den Apsiden. Diese Besonderheit vermindert etwaige klaustrophobische Empfindungen um ein Vielfaches. In allen vier Ecken befinden sich ausreichend große Taschen. Was ich nicht mehr missen möchte, ist die unter der Decke angebrachte Ablage aus demselben Zeltinnenstoff. Eine Aufhängung, die nicht nur Taschenlampe oder T-shirt trägt, sondern auch einem Tablet oder Ähnlichem standhält.


Überhaupt finden sich zahlreiche kleine Besonderheiten, die dieses Zelt oder die Schweizer Firma Exped auszeichnet. Leider wird dies nirgendwo hervorgehoben und man muss sich die Besonderheiten selbst erarbeiten.

Da sind zu einem die durchdachte Belüftung. Zwei Öffnungen dafür auf den Apsidenseiten. Im Innenzelt ist die Reisverschlusskonzeption großzügig und sehr zweckmäßig ausgeführt. Es lassen sich an den Eingängen die komplette Größe als belüftetes Moskitonetz öffnen. Dadurch schafft man angenehmen Luftzug. Aber das ist noch nicht alles in puncto Belüftung. Das Zelt ist asymmetrisch geschnitten. Das heißt, es gibt eine Längsseite, die bis zum Boden reicht und die gegenüberliegende ist etwas verkürzt. Dadurch schafft man eine ausgezeichnete Belüftung bei richtiger Aufstellung am Ort, wenn Windrichtung und Bodengegebenheiten berücksichtigt werden. Kondenswasser, wie man es häufig bei verwinkelten Zelten antrifft, habe ich bis heute noch nicht gesehen. Bisherige Temperaturen von 1° C – 28° C und Niederschlag in ausreichender Menge eingenommen.

Das Zelt bietet zwei Personen ausreichend Platz. Locker finden noch mehrere Lenkertaschen sowie Rucksäcke Platz, ohne dass man nicht weiß, wohin mit dem Körper. Die Höhe von 1,30 m ist völlig okay und bereitet Wohlgefühl. Verschiedene Haken bzw. Schlaufen sind für Taschenlampe o. ä. Vorhanden. Alle Zurrschlaufen und Reißverschlussschlaufen sind mit phosphorisierendem Endkappen versehen, um sie in absoluter Dunkelheit zu finden. Die Abspannleinen sind sehr dünn, doch äußerst robust und man kann sie in integrierten Säckchen verstauen, damit sie sich nicht beim Einpacken verheddern. Das Innenzelt ist an das Außenzelt gehakt und lässt sich bei Bedarf abnehmen und allein aufstellen und umgekehrt. Das ist leider mit etwas Aufwand versehen. Hier ist der einzige Punkt, wo ich mir eine zu dem Konzept Exped einfachere Lösung gewünscht hätte.

Hat man einmal die Philosophie von Exped erkannt, dann ist es eine wahre Freude. Leider erschließt sich einem diese durchdachte Konzeption nicht sofort und wird auch nicht ausführlich beschrieben.

Die drei Zeltstangen werden in einer bestimmen Reihenfolge in die dafür vorgesehenen und nummerierten Kanäle geschoben und schon steht das Zelt. Wie auch bei den meisten anderen Zelten muss man beim Abbau darauf achten, dass man die Stangen aus den Kanälen schiebt und nicht etwa zieht. Mit nur acht Heringen hat man ausreichend Standfestigkeit um Sturmböen von bis zu 100 km/h zu meistern. Selbst so erfahren. Es gibt aber noch sechs weitere Abspannmöglichkeiten um Wind und Wetter zu trotzen. Am Zelt außen gibt es auch noch zusätzliche Schlaufen, um einemal die Zeltstangen besser durch die Kanäle zu führen oder aber um es weiter zu sichern. Heringe in V-Form aus Alu. Ein Fenster vermisse ich nicht, denn die beiden Eingänge lassen genügend Spielraum für morgendlich Aussichten. Alle Leinen lassen sich nachträglich nachspannen. Dies ist z. B. von Nöten, wenn das silikonisierte Zelt kalt wird oder auf Feuchtigkeit trifft. Entspannen bei Hitze und Sonneneinstrahlung. Der Kompressionssack ist einfach aber korrekt.

Fazit: Bisher mein bestes Zelt … so far … Exped verbaut gute Materialien, die auch anständig zusammengenäht und getaped wurden. Die Belüftung, Geräumigkeit und das Gewicht von ca. 3,5 kg sowie das durchdachte Konzept überhaupt machen dieses Zelt zu einem zwar nicht ganz günstigen ( Preis mit Footprint liegt ca. bei 700,- € ), aber sehr hochwertigen Zelt! Die kleinen Gadgets wie die Ablage, Luv und Leeseite – asymmetrischer Schnitt, Abspannleinsäckchen, geräumiger Moskitoeingang sowie die Spannvorrichtungen und deren Verarbeitung machen auch nach mehreren Wochen noch Freude beim Aufbau! Zwei Eingänge sind ideal und bieten viel Spielraum bei den Vorlieben und Bedürfnissen der Bewohner. Bemerkung am Rande …: Der Kundenkontakt bei Exped war schnell hergestellt und eine sachdienliche Antwort per Mail kam innerhalb von wenigen Stunden. Schaut Euch mein Aufbauvideo an, falls Ihr Interesse an diesem Zelt zeigt oder es bereits gekauft habt und Ihr nicht wisst, wie es funktioniert. All das ist nur meine Meinung und keine Verbindlichkeit, wie immer …




Kochen unterwegs …

Viele Radreisende sparen an Gewicht und verzichten auf eine Küche unterwegs. Sie ernähren sich von billigem Fast Food oder teurem Fertigessen aus den Outdoorshops. Ganz ohne Fast Food geht es auch bei mir nicht, denn insbesondere die Garküchen in Asien sind oftmals mehr als günstig und obendrein auch schmackhaft mit den regionalen Zutaten gekocht.

Für mich ist Kochen aber auch ein Stück Lebensqualität. Ein Genuss, der Sinne und die Kreativität fördert das Wohlbefinden obendrein.

Auch ist der Einkauf oft ein Zugang zur Regionalität und entspricht unserer Slowtravel-Philosophie komplett.

Was brauche ich zum Kochen während der Radreise?

Wir haben einen Multifuel-Kocher. Damit ist man unabhängiger als mit dem Gaskocher.

Ein Alukochset, Teller, Tassen, Besteck, Messer, ein paar Gewürze, ein paar Grundzutaten und den Mut aus wenig viel zu machen. Standardzutaten unterwegs sind: Olivenöl, Salz, Zitrone, Couscous, Nudeln, Reis, Haferflocken oder Müsli, … Tagsüber wird in Kleinstmengen eingekauft: Tomaten, Zucchini, Paprika, Zwiebel, Eier, Brot, Käse, … Dann muss man sich ein wenig organisieren. Das heißt, man macht sich tagsüber Gedanken. Was habe ich? Was möchte ich? Was bekomme ich? Alles zusammen ergibt dann die Tagesmahlzeit, für die man sich abends vor dem Zelt Zeit lassen kann. Fangt mit den Zutaten an, die die längste Garzeit benötigen.

Couscoussalat

z.B.: Couscous, in gewürztem Wasser zum Kochen bringen ... danach von der Flamme nehmen und Quellen lassen. Derweil Gemüse nach Gusto klein schneiden und anbraten. Kräftig würzen, denn später mit dem Couscous vermischt, vermindert sich die Würze. Alles miteinander vermengen und Schafskäse und Olivenöl darübergeben. Gut sind hier frischer Koriander. Fertig! Schaut Euch mein Video dazu an!

Ihr werdet also feststellen, dass sich der Aufwand und die Investitionen und das zusätzliche Gewicht, welches man transportieren muss, auf jeden Fall lohnen. Es macht Spaß und man ernährt sich gesund und schont den Geldbeutel über kurz oder lang …! Es ist auch gesellig und man knüpft dabei auch neue Kontakte.

Auf geht’s … kocht und werdet glücklicher!







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